So fing alles an.
An einem Sonntag im August 1996 bekam
ich Besuch von einer Bekannten, die mir von einem Lauftreff im
Schlosspark Essen-Borbeck erzählte. Sie berichtete mir, dass sich
jeden Sonntagmorgen Freizeitläufer vom TUS 8410 treffen und dabei
viel Spaß hätten. Sie versuchte mich zu überzeugen auch einmal
mitzukommen.
Es dauerte allerdings ganze 2 Jahre,
bis ich mich dazu entschied dort hinzugehen. Ich traf an diesem Tag
über 30 Freizeitläufer aus verschiedenen Altersklassen an.
Wir fingen mit einer 2 km langen
Aufwärmrunde an. Nach den darauf folgenden Dehnübungen ging es dann
weiter, wir fingen an zu joggen. Da ich zum ersten Mal dabei war,
fiel es mir sehr schwer.
Nach einem Kilometer traute ich meinen
Augen nicht: ich wurde von einem 60. jährigen Mann überholt!
Ich versuchte mit den Läufern
mitzuhalten, was mir allerdings nicht gelang. Der innere Schweinehund
war stärker! Es war sehr frustrierend, da ich ein schlechter
Verlierer bin. Also entschloss ich mich dazu, von nun an jeden
Sonntag im Schlosspark zu trainieren.
Nach dem dritten Sonntagstraining
sprach mich meine Laufkollegin Birgit an, ob ich nicht an dem
Ruhrauenlauf (5 km) teilnehmen möchte. Ich sagte "ja", obwohl
ich gerade erst mit dem Laufen angefangen hatte.
14 Tage später (29.08.1998) war es
dann soweit, ich lief meinen ersten 5 km-Lauf. Da ich keinerlei
Erfahrung hatte, lief ich viel zu schnell los. Nach ca. 1 km viel es
mir immer schwerer, weil Günter (mein innerer Schweinehund) mir
sagte: Was machst du eigentlich hier? Du könntest jetzt mit einer
Tüte Chips gemütlich auf dem Sofa sitzen! Ich dachte mir: Günter,
lass mich in Ruhe!!! Ich lief also weiter und wurde immer schneller.
Ich hatte meinen inneren Schweinehund besiegt.
Als ich nach 24 Min und 24 Sek ins Ziel
kam, wurde mir ganz komisch. Ich setzte mich neben dem
Verpflegungsstand an einen Baum. Da ich zu schnell gelaufen bin,
hatte ich jetzt Kreislaufprobleme. Nach einigen Minuten ging es mir
dann besser.
Von da an trainierte ich regelmäßig
jeden Sonntag und steigerte mich von Woche zu Woche. Ein paar Monate
später fragte mich wieder meine Laufkollegin Birgit, ob ich nicht
den TUSEM-Marathon am Baldeney-See laufen möchte. Ich schaute sie
mit großen Augen an und fragte sie: Wie weit ist das denn? Sie
sagte: 42,195 km! Da musste ich mich erst einmal hinsetzen.
Im Internet informierte ich mich über
Marathon-Trainingspläne und konnte nicht glauben, wie viele
Kilometer man im Training absolvieren muss. Ich suchte mir
verschiedene Tipps und Anregungen und erstellte meinen eigenen
Trainingsplan. Mein Ziel war es in 6 Monaten fit für einen Marathon
zu sein. Ich konnte Birgit und den Sohn einer Nachbarin überzeugen,
mit mir zu trainieren. Meine langen Läufe absolvierte ich sonntags
morgens am Baldeney-See.
Am 13.10.2002 war es dann endlich
soweit: Ich lief meinen ersten Marathon. Kurz vor dem Start war ich
so aufgeregt, dass ich Kreislaufprobleme
und bat um eine Blutdruck-Messung. Der
Blutdruck war in Ordnung, es war lediglich die Aufregung. Pünktlich
zum Start ging es mir wieder besser.
Ich stellte mich an der Start-Linie auf
und konnte kaum glauben, dass ich gleich mit so vielen Menschen einen
Marathon laufen werde. Kurz darauf ertönte der Startschuss. Es gab
kein Zurück, ich war mitten im Wettkampf. So lief ich langsam los
und wurde immer schneller. Tausende Zuschauer jubelten mir zu.
Als ich 19 km hinter mir hatte, merkte
ich ein leichtes Ziehen in den Waden. Ich erinnerte mich an einen
Bericht aus dem Internet, dass man eventuell bei einem Marathon nach
30 km Wadenkrämpfe bekommen könnte. Ich ließ mich nicht beirren
und lief immer weiter.
Nach 29 km merkte ich ein Stechen in
der Wade, welches immer schlimmer wurde. Ich wurde immer langsamer.
Plötzlich bekam ich nach 32 Kilometern einen Wadenkrampf. Ich hielt
erst einmal am Streckenrand an und versuchte mich zu dehnen. Dann
wurde es etwas besser, so dass ich nach 5 Minuten langsam weiter
lief. Jetzt hatte ich nur noch ein leichtes Stechen in der Wade.
Nach 38 Kilometern bekam ich dann in
beiden Beinen Krämpfe. Ich setzte mich am Streckenrand hin. Da hielt
plötzlich ein Läufer an und fragte, ob er mir helfen könnte. Ich
sagte nein, ich versuche erst einmal selbst und wünschte ihm noch
einen tollen Lauf.
Ich stand langsam auf und ging 500 m zu
Fuß weiter. Danach joggte ich langsam weiter und es lief auf einmal
immer besser. Ich wurde immer schneller. Die Zuschauer riefen bei km
41,5: Beeil´ dich, gib Gas, dann schaffst du es unter 4 Stunden. Ich
dachte nur, die sind alle verrückt. Sie wussten ja gar nicht, was
ich bis hierhin erlebt hatte.
Als ich endlich nach 4:01:03 Std. im
Ziel ankam, bekam ich in beiden Beinen so starke Wadenkrämpfe, dass
ich mich am Bauzaun festhalten musste. Ich holte meine Medaille ab
und war glücklich. Danach ging ich zum Sanitäter-Zelt und ließ
mich erstmal massieren.
Als ich zu Hause ankam, duschte ich,
zog mein T-Shirt an, hing mir meine Medaille um und ging damit
schlafen. Ich war total erschöpft. Am nächsten Tag wurde mir erst
mal bewusst, was ich da geschafft hatte. Ich brauchte jedoch noch
eine Woche bis ich mich erholt hatte.
Nun überlegte ich, warum ich beim
Marathon so starke Wadenkrämpfe bekommen hatte. Ich hatte doch
ausreichend trainiert. Ich ging meinen Trainingsplan durch und
stellte fest, dass die Ruhephase vor dem Marathon zu kurz war.
Außerdem bin ich den Marathon zu schnell angegangen. So erarbeitete
ich mir einen neuen Trainingsplan und fand den Entschluss, mich für
einen 2. Marathon anzumelden.
Ich entschied mich für den 20.
Rhein-Ruhr-Marathon am 01.06.2003, den ich in 3:59:00 schaffte. Im
Gegensatz zu meinem ersten Marathon ging es mir danach richtig gut.
Anschließend trainierte ich nach einer kleinen Ruhephase weiter.
Eines Tages bekam ich dann bei meinem
Arbeitgeber (Karstadt Essen-Borbeck) einen Anruf von dem Veranstalter
des Karstadt Ruhr-Marathons. Man sagte mir, es werde der 1. Essener
Marathonmentor gesucht. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen
könnte, dieses Amt auszuüben. Da musste ich erst einmal fragen: Was
ist eigentlich ein Marathonmentor? Da erklärte man mir, dass ein
Marathonmentor ein Trainer ist, der Läufer auf ihren ersten Marathon
vorbereitet. Ich sagte, ich müsse mir das überlegen, da ich ja
selbst erst meinen
2. Marathon hinter mir hatte. Nach ca.
5 Wochen entschied ich mich mein Wissen an Andere weiterzugeben,
damit sie nicht das Gleiche erleben, wie ich bei meinem 1. Marathon.
Seit diesem Augenblick war der 1.
Marathonmentor Essens geboren!
Ich machte einen Aufruf in der Zeitung.
"Ehrenamtlicher Marathonmentor sucht Läufer für ihren 1.
Marathon."
Fortsetzung siehe "Lustige
Schleicher"